Schnipselgeschichte: Entschuldigung
February 18th, 2009 at 10:00 am (Schnipselgeschichten)
Unter der Überschrift “Schnipselgeschichten” werden sich in regelmäßigen Abständen ebensolche finden – nämlich sehr kurze Einblicke, Schnipsel eben, in eine größere Geschichte, in ein Leben, in eine Situation. Frei nach dem Motto: “je spezifischer man ist, desto allgemeiner wird die Aussage” mache ich hiermit den ‘Drabble*’ Gesellschaftsfähig.
*Drabble: (englisch) eine sehr kurze Geschichte mit einer vorgegebenen Wortanzahl von 100, 200, 300, 400 oder maximal 500 Wörtern. Bisher meines Wissens nach ausschließlich für Fanfiction benutzt.
Wörter: 300
Dialogschnipsel
Entschuldigung
„Warum muß eigentlich immer ich mich entschuldigen, Bernd?”
„Hm?”
„Na, beim Hannes. Jedesmal, wenn wir dem einen Streich spielen, bin ich derjenige, der sich für uns entschuldigt.”
„Stimmt doch gar nicht. Ich hab mich da auch schon mal entschuldigt.”
„So? Wann denn?”
„Ja, letztens… das war… grad neulich erst.”
„Letztes Mal war ich. Und das Mal davor auch.”
„Dann halt davor irgendwann. Du, Klaus, ich kann mich da grad ganz schlecht erinnern.”
„Die letzten Male hab jedenfalls immer ich zu Kreuze kriechen müssen.”
„Aber vorher ich!”
„Und deswegen, hab ich mir gedacht, bist jetzt du einmal dran.”
„Ich? Na, das geht nicht!”
„Wieso das denn?”
„Das nimmt der mir doch nie ab, der Hannes! Außerdem kannst du das viel besser, mit dem zu Kreuze kriechen, als ich. Dir glauben die Leute so was. Du hast da ein Riesentalent, Klaus!”
„Jaja, komm spar’s dir, Bernd. Du entschuldigst dich diesmal, und fertig! Du hast die Frau schließlich auch angerufen.”
„Letztendlich haben wir dem Hannes einen Gefallen getan. Der hätt sich noch umgeschaut mit der. Ich mein, eine Polizistin! Und dann noch bei der Sitte! Die sind doch da völlig verkorkst.”
„Ja, aber momentan sieht der Hannes das halt anders. So weit denkt der noch nicht. Jetzt isser erstmal sauer auf uns.”
„Und wie.”
„Wir hätten ihr vielleicht nichts von Hannes ‚finanziellen Schwierigkeiten’ erzählen sollen.”
„Das stimmt, das war blöd.”
„Nächstes Mal wissen wir’s besser.”
„Du, ich hab ne Idee.”
„Ach, tatsächlich?”
„Du entschuldigst dich für uns, und ich lad uns alle drei zum Essen ein. Was meinst?”
„Zum Essen? Wohin denn?”
„Ja, das wirst dann schon sehen.”
„Na gut. Aber das ist wirklich das letzte Mal, Klaus. Danach entschuldigst du dich!”
„Ja, klar. Ehrenwort. Da vorne isser! Geh du hin, ich hol uns was aus der Präsidiumskantine. Leihst mir mal zehn Euro?!”