Die kritische Kolumne: Lex Beiki und der Trip zum WDR

F.U.N. Song

oder

Wie ich einmal im Fernsehen total abgelost habe

Dinge, die man noch nie getan hat, die sich einem aber plötzlich als Möglichkeit präsentieren, sollte man, so spricht der Schriftsteller, unbedingt ausprobieren. So werden wir bereits erzogen (jeder kennt sicherlich den verhassten Satz „Probier wenigstens, woher willst du denn sonst wissen, ob es dir nicht schmeckt?“ aus der eigenen Kindheit).

Nun, für meine Unzulänglichkeit präsentierte sich die Möglichkeit für Neues in Form eines Telefonanrufes. Meine beste Freundin rief an und erzählte von einer Backshow, die noch ofenfeste Bewerberinnen aus NRW suche. Ich lehnte dankend ab. Sie meldete mich trotzdem an.

Und so kam es, dass ich nach einem Gesinnungswandel wenige Wochen später mit meinem treuen Auto Haldir gen Südwesten schipperte zu einem Casting in Köln. Mit an Bord: ein von mir am Vorabend heroisch zusammengeschusterter Schokoladenkuchen (eigenes Rezept) mit Marzipanfüllung.

Man sprach im professionellen TV-Jargon mit mir („Das war super, das machen wir noch mal nur anders“) interviewte mich („Immer die Frage wiederholen und im ganzen Satz antworten“) und filmte meinen Kuchen. Denn interessanterweise bekamen die Menschen, die letztendlich die Bewerberinnen aussuchten, die eigentlichen Backwaren nur aus digitalen Pixeln vorgesetzt. Welch gute Vorraussetzung, dachte ich mir damals noch naiv-blauäugig.

Dann passierte eine lange Weile überhaupt nichts. Mental verabschiedete ich mich bereits von dem Konzept. Es wäre sicherlich nett gewesen, aber nun ja, vermutlich waren bei diesen Castings einhundert junge, hübsche Konditorinnen aufgekreuzt. Und ich. Mir als Casting-Director wäre die Wahl da auch nicht schwer gefallen.

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Eine Woche vor Drehbeginn erhielt ich dann doch noch einen Anruf – ich sei dabei, hieß es, herzlichen Glückwunsch, mit der Bitte bis spätestens übermorgen eine Liste derjenigen Rezepte einzureichen, welche ich zu backen gedenke. Ich solle auch beachten, hieß es ferner, dass die ganze Sache nur maximal neunzig Minuten dauern dürfe, inklusive Backzeit. No problemo, Cheffe, isse klaro, Cheffe!, war meine Antwort (leicht paraphrasiert) und ich begann, hektisch meine Backbücher und Notizen zu wälzen.

Ich backe meistens nicht nach Rezept. Ich habe eine Reihe Grundrezepte, die ich kann, und die variiere ich bis zur Unkenntlichkeit. Für Torten und jegliches anderes Bling-Bling Brimborium besitze ich natürlich Rezepte, bloß, die dauern mehr als neunzig Minuten. Weit mehr als neunzig Minuten. Ich sage nur Abkühlzeit. Ich sage nur Gelatine.

Also suchte ich eine handvoll relativ unkomplizierte Rezepte heraus, die ich dann für die Showvorgaben veränderte, blind hoffend, dass die Änderungen klappten. Denn zum Vorbacken und Ausprobieren hatte ich weder Zeit noch, ich bin ganz und gar ehrlich, Geduld.

Zwei weitere Telefongespräche später sah die Sache bereits kompakter aus. Man sprach von Hotel, man sprach von Reisekostenerstattung, man sprach von einem Fahrer (ich stellte mir sofort einen netten, attraktiven Mann vor, der einem die Türen aufhält und die eigene Jacke anbietet – und sollte damit tatsächlich recht behalten! Bliss!), ich fühlte mich bereits wie ein Filmstar. Hoch motiviert und mit dem vagen Wissen, dass ich die erste Runde sicherlich nicht überstehen würde, packte ich dennoch alle Backutensilien ein, die ich benötigen könnte (man weiß ja nie!) und lud meine treue Nuckelpinne voll. Ich träumte von Chancen. Ich träumte davon, lauter reizende, großartige Menschen zu treffen (ein Traum, der sich jedenfalls erfüllte) und meine eigene TV-Serie produzieren zu dürfen (manche Träume müssen unerreichbar sein, damit man sich ein Leben lang nach ihnen recken kann, OKAY?!).

Die Realität sah ähnlich aus: Am Abend des Mittwochs vor Drehbeginn checkte ich in ein kleines, feines Hotel neben den MMC-Studios ein – ein komfortables, ruhiges Zimmer, gutes Essen und freundliches Personal. Als Student ist so ein Luxus erstmal gewöhnungsbedürftig! Ich packte aus, badete und knallte mich dann die nächsten fünf Stunden lang vor den Fernseher, um meinen Lieblingsmoderator auf KiKa zu sehen und mich im Geiste auf meine Zukunft vorzubereiten, die am nächsten Tag beginnen und ganz gewiss neben meinem Moderatorstern vor der Kamera enden würde (man muss nur fest genug daran glauben, das hat mich Walt Disney gelehrt).

Drehbeginn war also der nächste Tag. Pünktlich um zwanzig vor neun wurden diejenigen Mitwirkenden, welche im Hotel genächtigt hatten, abgeholt. Die Stimmung war nett und gelöst. Wir Bewerberinnen verstanden uns sofort prächtig – kein Funke von Missgunst oder unschöner Gewinnlust. Wir lachten und erzählten viel.

Wir hörten auch im Studio nicht auf zu erzählen, als wir die übrigen Bewerberinnen trafen. Sofort war klar: wir Mädels verstanden uns, und zwei Stunden später entstand der Plan, sich nach den Sendungen noch einmal zum Kuchenessen zu treffen. Sicher, man weiß wie so etwas ist, da wird im Eifer der Hochstimmung etwas beschlossen und dann hinterher doch vergessen, aber wo ein Gebäck in Aussicht steht, da haben Frauen einen starken Willen. Ich rechne fest mit unserem Kuchenessen!

Zunächst wurden unsere Klamotten geprüft. Dinge mit Streifen fielen weg, ebenso schwarz und weiß als Einzelfarbe. Schuhe wurden anprobiert, erste Frisurenideen verbalisiert, unsere offiziellen Schürzen bewundert (geben Sie einer Gruppe backbegeisterter Frauen rosafarbene Schürzen mit Rüschen und vergessen Sie das am Rande des Tinitus liegende Quietschgeräusch nie wieder).

Dann gab es Frühstück – es gab sowieso ständig etwas zu essen, etwas, das mich persönlich stark begeisterte. Das Essen wurde in einem ehemaligen Bus aufgebaut, wo den ganzen Tag über ein immer wieder wechselndes Buffet aufgebaut war, an dem man sich bedienen durfte. Es war wie im Himmel.

Zum ersten Drehtermin, Einzelposen, wurden wir dann der Reihe nach geschminkt und gestylt in der Maske. Auf meinen persönlichen Wunsch hin, zwirbelte eine der beiden talentierten Maskenbildnerinnen hübsche Prinzessin Leia Schnecken aus dem Gestrüpp, das sich sonst auf meinem Kopf befindet. Mit einem rosa Kleidchen, rosa Strumpfhosen und lilafarbenen Stiefeletten fand ich mich sogar selbst einigermaßen akzeptabel. Voll des Tatendranges hampelte ich sogleich ins Studio, erkundete die aufgebauten Küchen, besah mir den Kabelsalat der Kameramenschen und verfolgte mit Interesse, was so alles geschehen musste, damit ein Satz in die Kamera gesprochen werden konnte.

Dann hieß es erst einmal: warten. In der Tat verbrachten wir Damen an jenem Tag ungefähr fünf Sechstel des selbigen in Korridoren und auf Sofas und vertrieben uns die Zeit mit Anekdoten aus unseren Leben, während die wirklich wichtigen Menschen (Beleuchter, Tontechniker, Kameramänner et cetera) alles so herrichteten, dass gedreht werden konnte. Ich ziehe meinen Hut vor deren Disziplin – es war ein sehr langer und sehr harter Tag, an dem ständig irgendwo verbessert und gezippelt und angebracht werden musste, und dennoch wurde weder geschrieen noch sonstwie ausgerastet. Es streikte oder motzte auch niemand. Es dauerte zwar lange, aber es funktionierte alles.

Während der Wartezeiten baute ich meine Erkundungsrundgänge aus und machte wertvolle Entdeckungen. Zum Beispiel, dass unser Studio eine Unisextoilette besaß. Nicht so luxuriös wie die der McBealschen Kanzlei, aber komfortabel genug. Ich lernte auch, wie man eine etwa faustgroße Brandblase aufsticht und ausdrückt, was mich erstaunlicherweise nicht von meiner Nadelphobie befreite, obwohl ich mir große Mühe gab. Was Dispo und MAZ sind erfuhr ich ebenfalls, und dass man beim Fernsehen auf keinen Fall in Schminkschwulitäten geraten darf. Außerdem wurde ich der Küche verwiesen, weil ich spülen wollte – eine völlig neue Grenzerfahrung.

Ich war in der Gruppe, die zuerst backen sollte, irgendwann nach dem Mittagessen, ich hatte keine Uhr. Als wir Mädels uns vorher irgendwann einmal über unsere Rezepte ausgetauscht hatten, war mir sofort klar, dass ich mit derlei Konkurrenz nicht würde mithalten können. Fünf angehende Patisserie-Connoisseurs. Und ich. Ich packte mental bereits meine Koffer und verabschiedete mich von meinen Träumen.

Natürlich buk ich dennoch. Ich fand meinen Kuchen auch nicht so schlecht gelungen – einfach aber schick. Allerdings glückte mir die Marzipandecke, die Darth Vaders Helm darstellen sollte, nicht so ganz. Und in der ganzen Aufregung und Träumerei hatte ich völlig vergessen, mich um Dekoration für mein Werk zu kümmern (ich bin nicht so der Deko-Typ, ich denke an so etwas nicht von selbst). Die Ausrede, der Kuchen sei sicherlich Deko genug, schien auch nicht richtig anzukommen. Doch ich hatte es versucht, ich war bis hierhin gekommen, und dass ich ausschied war keine Überraschung für mich, auch wenn die Jury wenigstens ein Körnchen Positivum an meinen Bemühungen hätten finden können; auch ein ausgedachtes hätte mir gereicht, um mich nicht als vollständigen Loser hinzustellen. Aber, ich vermute, so ist das in dieser Branche: wer verliert, der verliert so richtig. Gut, dass es in meiner kleinen Lebensanschauung so etwas Banales wie Gewinner und Verlierer nicht gibt, das tröstet. Mein Kuchen schmeckte also einem Profikonditor und einer Café-Betreiberin nicht – aber meinen Freunden und den Kindern dafür sehr; und das ist mir letztendlich wichtiger.

Nur schade, dass all meine anderen Träume sich auch nicht erfüllten. Ich traf leider keinen verzweifelten Produzenten, der einen Sendeplatz aber noch keine gute Serie an der Hand hatte, dem ich mit einem meiner Konzepte hätte aushelfen können. Es gab auch kein Angebot, den nächsten ‚Kinderquatsch mit Lex Beiki’-Verschnitt zu moderieren. Und komischerweise traf ich, trotz Fernsehen und Allem, nicht auf George Clooney. Vielleicht hat er an diesem Tag frei gehabt.

Link: Süß & Lecker

njojn

Ich tippe nur ein Wort, weil ich mehr nicht sollte:

SEHNENSCHEIDENENTZÜNDUNG!

ScriptFrenzy 2011: erledigt

Tag Drei des diesjährigen ScriptFrenzys war für mich auch schon der letzte:

Nicht zu fassen, was für ein verrückter Sonntag!

Resourcen, die ich gestern benötigt habe, um zwischen 8 Uhr morgens und 11 Uhr abends etwas über 80 Seiten zu tippen:
Tee – 5 Liter

Wasser – 1,5 Liter

Saft – 1 Glas

Schokolade – 1 Stück

Kekse – 4 Stück

Apfel – 1 Stück

Tomate – 2 Stück

Zucchini/Möhrenpfanne – 1 Teller

Toast – 2 Stück

Internet – Ja!

Infos zum Drehbuch:

Seiten – 101 (Rohversion)

Wörter – 15.973

Arbeitstitel – 17 Briefe

Genre – Romanze, Komödie, Märchen

OST – Anna Nalick: “Shine”, Lindsay Ray: “Brand New Day”, Matchbox20: “Bed of Lies”, Matchbox20: “Could I be you”

Schauspieler: Simon Baker, Zooey Deschanel, Josh Duhamel, Josh Lucas, Mary Kate und Ashley Olsen als lol-Bonus

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Zitat

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ROBERT: Würden Sie wohl ihr Kind von meinem Bein entfernen?!

MUTTER: Oh, das geht nicht. Tabitha-Lillith wächst ganz nach den Prinzipien der freien, anti-autoritären Erziehung nach Sudbury auf. Wir setzen ihr keine Regeln, die sie emotional einengen könnten.

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